Montag, Dezember 12, 2011

Der Geist

Das Klima war in höchstem Maß abweisend. Seine Schutzhülle hatte sich angepasst und eine unauffällige Gestalt angenommen, so dass er wie einer von ihnen aussah. Er spürte die feindliche Hitze durch die Membran. Besiedlungsversuche waren ausgeschlossen, obwohl es einfach gewesen wäre, die heimischen Lebensformen zu unterwerfen. Oder auszurotten.

Der Anordnung von Zone Zero war er nur gefolgt, weil er sich nach der Auseinandersetzung im vorletzten Sonnensystem keine weitere Verwarnung leisten konnte. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er, den Messdaten entsprechend, auf eine Erkundung verzichtet. Jetzt stapfte er lustlos zwischen den gespenstischen Bewohnern dieses Planeten umher und wünschte sich zurück in die schwarze Kälte des Weltalls.

Im selben Moment, als der Blick des Wesens seinen Schutzanzug durchbohrte, wusste er, dass alles zu spät war. Die Hitze fraß ihn auf.

- Mama, ich habe gerade einen Geist gesehen, sagte das kleine Mädchen mit dem Lebkuchenherz.
- Wie kommst du denn auf sowas?
Die Frau wollte ihre Tochter weiterziehen durch die Holzbudenhektik des Weihnachtsmarkts.
- Der Mann ist plötzlich verschwunden, als ich ihn angesehen habe, und dann habe ich einen eisigen Hauch auf meinem Gesicht gespürt.
- Das ist der Winter, mein Schatz.

Für einen winzigen Moment hatte die Schutzhülle im Schnee bläulich geglüht, dann war auch sie verschwunden.

4 Comments:

Blogger queen of maybe said...

Dass Winter und Erlkoenig sich nahe stehen, haette ich mir ja denken koennen!

17.12.11  
Blogger mq said...

Daran hatte ich überhaupt nicht gedacht, merci für die Interpretationshilfe. Jetzt müssen Sie auf die Blogroll. Selber schuld.

17.12.11  
Blogger mkh said...

Lebkuchenherzen sollte man einfach nicht unterschätzen.

26.12.11  
Blogger mq said...

Denn sie bergen nicht nur Ballaststoffe.

26.12.11  

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