Samstag, Dezember 31, 2011

Freundschaft mit Fremden



Kein Teilnehmer sollte wissen, an welchem Ort er aufwachen würde. So lautete die einzige Spielregel.



Rückenschmerzen, als er die Augen aufschlug.



In der Nähe war ein Wasserbecken. Außer Pflanzen kein Leben, Steine wie von Riesenhand übereinander geschichtet.



Ein Fluss. Das Donnern in der Ferne passte nicht zum unschuldigen Blau des Himmels.



Immer wieder fand er von Menschen hinterlassene Zeichen.



Spuren längst untergegangener Zivilisationen.


 

Er wollte sich einen Überblick verschaffen.



In Stein gehauene Treppen erleichterten den Aufstieg.



Ein Land wie in Gullivers Reisen. Ein anderer Planet.



Zwei Tage folgte er einer Straße. Trotz bebauter Felder begegnete er niemand. Er begann, die Entscheidung zu bereuen.



War das Spiel schon verloren?


***

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Nachbemerkung
Die Geschichte war unter dem Titel Hampi bereits auf meiner ersten Website Mitte der Neunziger zu lesen.
Es gibt viele Orte, die mich beeindruckt haben. Im Grunde beeindruckt mich beinahe jeder Ort. Ich bin ein Liebhaber von Orten. Die Gegend um das indische Dorf Hampi, unter dem Namen > Vijayanagar einstmals Zentrum eines riesigen Reiches, hat die stärksten Eindrücke in mir hinterlassen. Nach jedem Besuch dieser Landschaft mit den bizarren Gesteinsformationen, weit verstreuten Tempelruinen und schillernden Eisvögeln am Fluß blieb ein anderes Gefühl.

5 Comments:

Anonymous sonali said...

Hampi. Bei den ersten Bildern zögerte ich noch. Irgendwann wieder. Ja. Und: tiefe Spuren im Gedächtnis - ja. Ein wunderbares neues Jahr, Herr Quint.

1.1.12  
Anonymous kopffüßelnde said...

Des Tempels Augen im Rücken ein unschuldiges Bad mit den Eisvögeln genommen - Hampi könnte mir gefallen.

1.1.12  
Blogger MudShark said...

wortbestätigung: mazing
ein irrgarten aus steinen.

mir hat die bildergeschichte schon auf der alten page gefallen.

wünsche ein prima jahr!

2.1.12  
Blogger mkh said...

Gigantische Landschaft, an der man sich nicht satt sehen kann. Corestones und Tafelberge sind mindestens ebenso spannend wie die historischen Monumente. Und deiner Topophilie kann ich mich anschließen.

2.1.12  
Blogger mq said...

/sonali: Ihnen auch ein wunderbares neues Jahr mit wunderbaren, tiefen Spuren fürs Gedächtnis.

/kopffüßelnde: Nur manchmal beschleicht einen tatsächlich das Gefühl, dass in jedem Tempel, hinter jedem Stein mit Niedertracht bewaffnete Augenpaare lauern, und dass diese Natur nicht unschuldig, sondern voller Grausamkeit ist.

/MudShark: Ein Irrgarten aus Steinen und Gedanken. Dir auch ein 1A 2012.

/mkh: Allein dieses Wort. Corestone. Phänomenal.

10.1.12  

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