Freitag, Dezember 16, 2011

In die Neue Welt

"Il y a un autre monde mais il est dans celui-ci." (Paul Éluard)

Düsternis hatte sich am tonnenschweren Firmament verdichtet, und das graue Licht verlangsamte jede Bewegung. Irgendwann würden die Wolken wie bröckelnder Zement zerfallen und alles unter sich begraben. Beim Gang durch die ausgestorbenen Gassen bewegte R sich in Richtung seiner innersten Stadt. Dabei verlor R die Erinnerung an vertraute Adressen. Noch war alles bekannt: der Müll in jeder Tonne und die Abfahrtzeiten an den Haltestellen seines geistigen Nahverkehrs. Kaltes Blut pulsierte im Rhythmus der Einsamkeit.

R war auf der Suche nach einer Grenze, die noch nicht überschritten war. Aus dem Gewirr zog es ihn in die Weite. Irgendwo dahinter musste sich die Neue Welt befinden, ein unerkundeter Kontinent. Und R war sich seiner Schwäche gewahr, zwanghaft vermaß und kartografierte R die fremden Landschaften. Exotik wich der gefräßigen Eintönigkeit, Ernüchterung folgte auf Erregung.

Das Ende der Straße schien in einen blauen Himmel zu führen. R wechselte die Welten. Aber es blieb derselbe Planet.

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8 Comments:

Blogger MudShark said...

eskapismus?

22.12.11  
Blogger mq said...

Tourismus?

23.12.11  
Blogger mkh said...

Surrealismus!

26.12.11  
Blogger mkh said...

Zerrissenes Bewusstsein - und ein Kulturschock der besonderen Art, wenn verheißungsvolle Transzendenz wieder nur zur Rezendenz geführt hat.

PS: Wie lautet doch gleich die Übersetzung des Eluard-Zitats?

26.12.11  
Blogger mkh said...

PS

Wieder mal hervorragende Sprachbilder - insbesondere das Intro gefällt mir ausgesprochen gut.

26.12.11  
Blogger mq said...

"Es gibt eine andere Welt, aber sie ist in dieser." (Paul Éluard)

26.12.11  
Anonymous mkh said...

Merci.

27.12.11  
Blogger Oles wirre Welt said...

Worte, bei denen man niederkniet. Und sei es, weil die Wucht düsterer Wolken einen in die Knie zwingt. Ganz, ganz groß!

14.1.12  

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